News vom 19.08.2010
Europameister bei Banküberfällen ist Italien
Der Mittelmeerstaat steht unangefochten an der europäischen Spitze, denn in Italien werden jeden Tag fünf Banken ausgeraubt. Damit passiert jeder zweite Banküberfall auf eine Bank im Stiefelstaat. Im Jahre 2009 wurde in Italien 1744 Mal eine Bank überfallen, was 42 Prozent aller Banküberfälle in Europa ausmacht, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Während also die Bankangestellten in Italien wesentlich gefährlicher leben, sind ihre europäischen Kollegen vergleichsweise sicher. In Deutschland wurde im gleichen Zeitraum „nur“ 326 Mal eine Bank überfallen. Mit ihren Zahlen beruft sich die Süddeutsche Zeitung auf eine Statistik der italienischen Bankgewerkschaft FIBA.
Das in Italien die Rate der Banküberfälle so hoch ist, wird damit begründet, dass die italienischen Bürger mit Vorliebe in bar bezahlen. Im Durchschnitt bezahlt der Italiener nur 66-mal im Jahr seine Waren mit der Karte. Im Vergleich dazu zückt der Europäer im Durchschnitt dreimal öfter zur Kredit- oder EC-Karte. Da Bargeld in Italien so beliebt ist, lagert in den italienischen Bankfilialen auch wesentlich mehr Bargeld als in anderen Ländern. Damit können sich potentielle Täter ziemlich sicher sein, dass in den Banken auch etwas zu holen ist. Lösen könne man das Problem wohl nur, in dem der Bargeldbestand in den Banken verringert wird, meint Pierfrancisco Gaggi, Vertreter des italienischen Bankenverbands ABI. Er sagte: „Je weniger Bargeld wir in unseren Bankfilialen haben, desto weniger Überfälle wird es geben.“
Neben dem hohen Bargeldbestand in den Banken gibt es in Italien auch wesentlich mehr Bankfilialen, als es beispielsweise in Spanien oder Frankreich der Fall ist. In Italien findet man an fast jeder Straßenecke eine Zweigstelle einer Bank. Und auch wenn die italienischen Banken jedes Jahr rund 700 Millionen Euro in Alarmanlagen und Kameraüberwachungen stecken, sind die meisten Banken schlecht gesichert. Wie Ermittler inzwischen wissen, steckt hinter den meisten Banküberfällen nicht etwa die italienische Mafia, vielmehr ist der durchschnittliche Bankräuber ein Laie, der seine Überfälle spontan begeht. Es sind sehr häufig Verzweiflungstäter, die versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Bei einem Banküberfall erneutet ein Täter im Durchschnitt etwas mehr als 21.000 Euro.



